Dienstag, 14. Februar 2012

Zwielicht – Das deutsche Horrormagazin



Die Kurzgeschichte hat im Genre Horror eine lange Tradition und es ist müßig, alle Wurzeln aufzuzählen. Die heute bekanntesten Klassiker wie H. P. Lovecraft oder Robert Bloch wurden vor allem über das  Magazin Weird Tales bekannt, welches auch heute noch existiert. Im Jahr 2008 erschien die Jubiläumsnummer 350.
In Deutschland ist der Horror vor allem durch die zahlreichen Heftserien der Nachkriegszeit vertreten worden. Aus diesen ging einer der erfolgreichsten Horrorautoren Deutschlands vor, der auch außerhalb der Heftromanszene für Furore sorgte: Wolfgang Hohlbein.
Die Kurzgeschichte selbst blieb eher das unbekannte Wesen. Horroranthologien dieser Zeit boten vor allem Themenanthologien zu Vampiren, Werwölfen, Halloween oder dem Lovecraftchen Universum. Deutschsprachige Autoren waren dort nur marginal vertreten und stammen meist aus der Frühzeit deutscher Unheimlicher Phantastik: Hoffman, Strobl, Ewers.
Bei der Durchführung zum neu geschaffenen Vincent Preis sammelte der Herausgeber deutschsprachige Kurzgeschichten mit Erstveröffentlichung 2007 und siehe da, es fanden sich sage und schreibe 290 Stories, verteilt in über fünfundzwanzig Publikationen. Und man kann sicher, das waren noch lange nicht alle.
Für diese gewaltige Menge an kreativer Kraft möchte die Anthologiereihe Zwielicht eine Plattform bieten, die in bisher 3 Ausgaben den besten Autoren der Szene eine Plattform bietet.
Horror ist ein gewaltiger Begriff. Weil er so gewaltig ist, verwenden viele stattdessen die Bezeichnung „Dunkle Phantastik“ oder „Unheimliche Phantastik“. Trotzdem ist Horror drin.

Zwielicht“ ist ein Horrormagazin in Taschenbuchform und erscheint als Taschenbuch bei 
Create Spacedie E-Book Ausgabe beim VSS Verlag. Seit Zwielicht 9 erscheinen die Zwielicht Ausgaben bei . Die ersten Bände erschienen bei Eloy Edictions und Saphir im Stahl.


Lesen Sie nur Torsten Scheibs „Motten“ (
Zwielicht II) oder Peter Nathschlägers „Die Wölfe von Nebraska“ (Zwielicht 1). Horrorgeschichten loten oftmals die Grenzen des guten Geschmacks aus, verschieben diese zuweilen und sorgen dafür, dass der Mainstream sich abwendet. Ein Horrormagazin hat nicht die Aufgabe, mit diesem Mainstream zu konkurrieren sondern setzt sich explizit davon ab.

Trotzdem werden Sie bei der Lektüre dieses Magazins erkennen, dass der Titel „Zwielicht“ Programm ist. Es finden sich nicht nur harte Horrorgeschichten, sondern ein gewollter Querschnitt durch die Horrorliteratur und das in einer modernen Version.
Martin Claus „Das Idyll“ (
Zwielicht II) bildet das andere Ende des Spektrums ab, eine romantische Geistergeschichte, die sehr still daher kommt. Auch Dominik Grittners „Eins, Zwei, Drei – Turnschuh“ (Zwielicht 7 ) ist ein gutes Beispiel für die Bandbreite Zwielichts.

Und mit Achim Hildebrand kommt auch der Humor nicht zu kurz wie Biedenbach (
Zwielicht 3) und Margit (Zwielicht 1) zeigen.
Zwielicht bietet dabei Geschichten, wie Marcus Richter in „Feuerhaut“ (
Zwielicht II), die eine ganz eigene deutsche bzw. europäische Stimme zeigen. Auch N.T. Neumanns „Das unterste Fundbüro“ (Zwielicht 1) oder Jakob Schmidt mit „Im Himmel“ (Zwielicht II) zeigen, dass Geschichten auch mal auf ungewöhnliche Art und Weise erzählt werden können.
Auch die Autoren selbst bieten Abwechslung wie man bei Christian Weis sieht. Ist „Am Abgrund“ (
Zwielicht 1) eine Geschichte, die man auch von einem amerikanischen Autor erwarten könnte, basiert „Flieh, Vogel, flieh!“ (Zwielicht 6) auf aktuellen Geschehnissen und verarbeitet Zwangsprostitution osteuropäischer Frauen in Deutschland.

Viele der in Zwielicht vertretenen Autoren sind auch bei großen Verlagen vertreten, wie Vincent Voss, Christian Weis, Christian Endres und Malte Sembten, die allesamt bei Bastei Lübbe veröffentlichen, aber auch immer wieder in Zwielicht oder Zwielicht Classic vertreten sind.

Mit Algernon Blackwood, Sheila Hodgson, Alyssa Wong und Ken Liu erschienen erste Übersetzungen, die ebenfalls die ganze Bandbreite des Genres aufzeigen. Mal handelt es sich um einen Serienmörder, mal um einen wiederkehrenden Fluch oder mysteriöse Wesen aus dem Ozean oder um eine düster-mystische Geschichte in Nordamerika. Einen deutschen Gruselwestern bietet dagegen Christian Endres mit „Knochen erinnern sich“ (
Zwielicht 3).

Abgerundet wird jeder Band mit Artikeln zum Genre Horror und Illustrationen. Dabei widmet sich Zwielicht den verschiedensten Autoren wie „M.R. James“ (
Zwielicht 1), „Karl E. Wagner“ oder „Eddie M. Angerhuber“ (Zwielicht 3), Jonathan Caroll (Zwielicht 6) oder Martin Luserke (Zwielicht 7), aber auch Artikel über „Twilight Zone“ ((Zwielicht 1), „Repairman Jack“ (Zwielicht II), Weird Fiction (Zwielicht 4) oder „Die Unsterblichkeit des Vampirs“ (Zwielicht 7 ).
Die Ergebnisse des Vincent Preis werden jeweils in Zwielicht veröffentlicht und bieten damit auch eine Historie des ersten Deutschen Horrorliteraturpreises.
Aktuell (Oktober 2015) erschien
Zwielicht 7 der Reihe bei Saphir im Stahl. Die E-Books erscheinen beim VSS Verlag.
Die Titelbilder werden dabei seit
Zwielicht 3 von Björn Ian Craig gestaltet.


Zwielicht gewann dreimal in Folge den Vincent Preis als „Beste Anthologie“, das Titelbild von Zwielicht 3 gewann ebenfalls den Vincent Preis. Acht Geschichten wurden als „Beste Kurzgeschichte“ nominiert.

Zusätzlich erscheint aktuell Zwielicht Classic. Dort werden schon veröffentlichte Kurzgeschichten und Artikel  gesammelt. Aktuell sind 9 Ausgaben erschienen.
Für die Titelbilder der Zwielicht Classic Bücher zeichnet sich überwiegend Lothar Bauer verantwortlich, der schon die Innenillustrationen der drei Zwielicht Bücher beisteuerte.

Zwielicht Classic enthält preisgekrönte Geschichten („Blind Date“ von Malte S. Sembten gewann den KLP 1998, „Zigeuneraugen“ von Walter Diociaiuti den Vincent Preis 2007, „Tour de Fini“ von Lothar Nietsch den Earth Rock Wettbewerb und „Hackfleisch“ von Regina Schleheck den Glauser 2013).
In den bisherigen Ausgaben wird ein Zeitraum von 1811 bis heute abgedeckt, wobei der Schwerpunkt auf moderne Geschichten gelegt wird und Klassiker die Ausnahme bilden.
Dabei macht Zwielicht Classic auch nicht vor Genregrenzen halt, wie die SF-lastigen Geschichten „Hell dunkel, dunkel hell“ von Nina Horvath, „Tor nach Gloon“ von Andreas Gruber oder Thorsten Küpers „Wenn Dich der Bluesman holen kommt“ zeigen.

Zwielicht startete 2009, Zwielicht Classic 2012 und es ist noch lange kein Ende in Sicht.


Zwielicht - Das Horrormagazin
  1. Zwielicht 1  (Gewinner des Vincent Preis 2009)
  2. Zwielicht II  (Gewinner des Vincent Preis 2010)
  3. Zwielicht 3  (Gewinner des Vincent Preis 2013)
  4. Zwielicht 4
  5. Zwielicht 5
  6. Zwielicht 6 
  7. Zwielicht 7
  8. Zwielicht 8
  9. Zwielicht 9 
  10. Zwielicht 10

Zwielicht Classic
  1. Zwielicht Classic 1
  2. Zwielicht Classic 2 (4. Platz Vincent Preis 2012)
  3. Zwielicht Classic 3
  4. Zwielicht Classic 4
  5. Zwielicht Classic 5
  6. Zwielicht Classic 6
  7. Zwielicht Classic 7
  8. Zwielicht Classic 8
  9. Zwielicht Classic 9
  10. Zwielicht Classic 10
  11. Zwielicht Classic 11
  12. Zwielicht Classic 12 - in Vorbereitung

Sonderausgaben

Zwielicht - Die Titelbilder 
Zwielicht bei Amazon und Booklooker.

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