Mittwoch, 22. November 2017

Vorwärts in die Vergangenheit!

Eine Schwarze Ampel, man sieht, zu viele Farben verdecken sich gegenseitig und glitzert kein helles Licht am Horizont sondern droht kurzfristig die Dunkelheit.
La Konsenszia, in Wirklichkeit wohl eher La Dormilón, hat den Gegner diesmal nicht eingeschläfert, er erwachte am Ende kurz und floh vom Feld. La Konsenszia bleibt aber La Popular und so wird es am Ende immer bleiben wie es ist. Die Remanenz hat gesiegt.

Ihre Spalter, die Alte Naive, setzt auf Retro und will zurück ins Kaiserreich. Jetzt ist die Alte Naive, auch genannt die Blauen, wohl wegen ihres Hangs zum Adel, damit inline mit der aktuellen gesellschaftlichen Strömung. Zwar benutzen die Rückschauer moderne Begriffe wie Headset, 8-K oder streamen, schwelgen aber in Zeiten, als echte Männer und Frauen sich den Buckel noch auf deutschen Äckern krumm geschafft haben, während der schneidige Adel mit dem Fernglas die Ausbeutung beobachtete und sich der Muse des Fressens und Saufens hingab.
Auch das Zukunftsgenre Science Fiction wird von der Retrowelle, die nochneuerdeutsch auch Vintage genannt wird, in Geiselhaft genommen.
Zur Kaisers Blüte gab es Hans Dominik, der auch mal Glückwunschtelegramme des Reichspropagandaminister erhielt. Kurd Laßwitz, Namensgeber eines deutschen SF Preises, schrieb auch Bücher über Physik, aber soweit zu gehen, dass Vintage SF auch was mit Naturwissenschaft zu tun hat, sollten wir nicht gehen.
So wie die Alte Naive nicht wirklich die abgeschafften Errungenschaften des Kaiserreichs zurück möchte, so wenig will die Science Fiction zurück in ihre Anfänge, geschweige den technische Erzählungen wieder entdecken.
Da gibt es lohnenswertere Ziele. Schnulzen-Meyer, bekannt für diverse Mädchenfantasyzyklen, hat die Zeichen der Zeit erkannt. Die Krone der Sterne wird als Fantasyabenteuerroman im SF gewandt bezeichnet. Wo andere verschämt auf ihre Science Fiction Romane Thriller oder schlicht Roman schreiben, haut er auf einer Ritter-Prinzen-Geschichte in der Sternenkriegstradition den nicht zu übersehenden Science Fiction Aufkleber drauf. Also ist doch alles gut, wenn selbst die Fantasybestsellerschreiberlinge sich auf das Science Fiction Glatteis wagen.
Verschämt fragt man sich, ist es jetzt SF oder Fantasy, wie trenne ich die Genres und ihre vielen Überlappungen, damit ich quasi per genreliteraturwissenschaftlicher Definition Schund und Highlight auseinander halten kann?
Der wahre Fan schreit nach Notoperation. Bloß keine Verunreinigung. Bah, schaut was mit verunreinigten Silizium passiert, die Welt steht doch sowieso schon kurz vor dem Abgrund und ein bisschen Liebe hilft immer.
Der eine Fan vereinfacht, findet immer einen Halbsatz im 1000 Seiten Werk, der beweist, hier ist der wissenschaftlich interessierte Leser genau richtig, während sein Kontrahent eine zweihundertseitige Ausarbeitung verfasst, warum dies doch keine SF ist.

Ist nicht eher der Autor das Genre, wenn er immer das gleiche schreibt und nur das Gewand wechselt?  Kein Wunder, dass Verlage damit Werben, der Autor A schreibt wie Autor B. Da weiß man wenigstens woran man ist.
Die Geschichte zählt, so schreibt man, und so möchte man es laut in die Runde rufen. Niemand braucht Erneuerung, wurde ja alles schon mal geschrieben und spätestens jetzt ist es amtlich, klar zu erkennen und auf dem Tisch:
Rien ne fonctionne plus
Das Genre ist am Ende, es lebe das Genre!
Und während die einen in Erinnerungen schwelgen und die Retrowelle reiten, bereiten die anderen schon die Zukunft vor. Und diese wird wie immer spannend sein.
Also haut rein in die Tasten. Auch wenn eure Zeit noch nicht gekommen ist!

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