Freitag, 30. Januar 2015

Superbastard (Interview)


Foto: Florian Waadt
Michael Schmidt: Hallo Benedikt. Stell dich doch mal vor!

Benedikt Maria Kramer: Manche sagen, ich sei einfühlsam, scharfsinnig und hingebungsvoll. Andere sagen was anderes. Eine Charaktereigenschaft, die vielleicht alle in ihrem Urteil einigt: Intensität
Zum Lebenslauf – siehe bitte hier:
Benedikt Maria Kramer


Michael Schmidt: Was ist der Superbastard?



Benedikt Maria Kramer: Ein Literaturmagazin, dass ich regelmäßig herausgebe.

Michael Schmidt: Und wer steckt alles hinter dem Namen Superbastard?

Benedikt Maria Kramer: Ich allein stecke dahinter. Ich wähle Thema und Texte aus, gestalte das Layout. Anfangs hat mir mit der Gestaltung noch mein Freund Florian Schanz geholfen.
Mit Herrn Schanz stehe ich übrigens immer wieder als Musik-Duo „Das Ding und Alfredo Garcia“ auf der Bühne. Er spielt Akkordeon oder Klavier und ich spreche oder singe meine Texte dazu.
Zurück zum Bastard: klar – ganz alleine könnte ich das Magazin natürlich nicht rausbringen… Den Stoff dazu liefern mir viele, teilweise sehr lieb gewonnene Autoren, Künstler und Fotografen. Letztendlich gedruckt wird das Magazin dann bei Benno Käsmayr vom Maro Verlag, der mir mit dem Preis immer sehr entgegenkommt. Ein großer Beistand war und ist mir natürlich auch Andreas Niedermann aus Wien, in dessen Songdog-Verlag der Superbastard seit der vierten Ausgabe zuhause ist.

Michael Schmidt: Wie viele Ausgaben sind bisher erschienen?

Benedikt Maria Kramer: 6 plus eine Sondernummer.

Michael Schmidt: Ihr habt Themenausgaben. Warum und nach welchen Kriterien wählt ihr die aus?

Benedikt Maria Kramer: Das geht so: Ich kriege regelmäßig unaufgefordert irgendwelchen Mist zugeschickt… Das meiste lese ich nur an. Schlimm genug, dass Leute ihre Zeit damit verschwenden, Sätze aneinander zu reihen, aber warum ziehen sie mich da mit rein? Ab und zu ist allerdings was Gutes dabei. Wenn dann zwei, drei gute Texte thematisch unter einen Hut gehen, hab ich eine Überschrift. Die letzten beiden Male war allerdings jeweils ein Foto für den Titel ausschlaggebend.

Michael Schmidt: Rebellion heißt die aktuelle Ausgabe. Klingt einerseits nach Politik, andererseits nach Punk.

Benedikt Maria Kramer: Der Superbastard ist nicht und war nie ein Punkmagazin! Die meisten Menschen, die ich kennenlernen durfte, und die von sich behaupteten, dass sie Punks wären, waren genauso spießig, ignorant und borniert wie die Teilnehmer einer CSU-Klausur. Nach dem Motto: Jeder, der einen Anzug trägt und gern in sauberer Bettwäsche schläft, muss ein Faschist sein. Nicht viel anders geht es mir übrigens mit sogenannten Linken, die Israel und die USA als Unrechtsstaaten verteufeln, jedoch Russland trotz autokratischer Führung und homophober Gesetzgebung in Schutz nehmen. Politisch? Mein Gott! Ja, okay. Alles ist schließlich politisch, irgendwie.

Michael Schmidt: Habt ihr eine bestimmte Absicht mit eurem Magazin?

Benedikt Maria Kramer: Außer reich und berühmt werden, nein.

Michael Schmidt: Was denkst du, in was für einer Zeit wir gerade leben und was läuft gut bzw. schlecht?

Benedikt Maria Kramer: Wir leben in einer Zeit, in der sich viele über Neoimperialismus, Neokapitalismus und Lohndumping aufregen, gleichzeitig aber gern ihre Freizeit in IKEA-Ausstellungsräumen verbringen oder mit dem Billigflieger nach Thailand jetten und dort gefakte Rolex-Uhren und Ray-Ban-Brillen kaufen. Alles muss geschenkt oder fast umsonst sein. Und das Putenschnitzel aus dem Discounter soll natürlich auch im Dauerangebot bleiben. Wenn dann jemand resistente Keime im Fressi findet, ist der kollektive Aufschrei groß. Überhaupt ist man diese Tage gerne empört, und das am liebsten anonym in der Masse. Ähnlich verhält es sich mit dem Phänomen Pegida. (Darüber wolltest du wahrscheinlich etwas hören.) Die „Islamisierung des Abendlandes“ dient als künstlicher Aufhänger. Wahrer Grund der Demonstrationen ist die Hilflosigkeit der Aufmarschierenden gegenüber einer sich immer schneller wandelnden sozialen Ordnung. Gesellschaftspolitische Modifikationen wie beispielsweise die Gleichstellung der Geschlechter, die Aufweichung heteronormativer Konventionen usw. machen ihnen Angst. Unfähig sich neuen Normen anzupassen oder – besser – diese im aufklärerischen Sinne zu verstehen, bleiben sie die Ewig-Gestrigen.

Eine weitere Überforderung sind sich rasant verändernde technische Standards. Wir benutzen täglich Rechner und Smartphones, haben aber in der Regel keine Ahnung, warum das Gerät funktioniert, geschweige denn wie es hergestellt wurde und welche wirtschaftlichen Konsequenzen der Kauf bzw. Konsum mit sich bringt. Wir sind abhängig von Dingen, die wir nicht verstehen. Doch wer diese Abhängigkeit vom wirtschaftspolitischen Apparat – die wir, wie gesagt, mehr oder weniger alle teilen – in der postindustriellen Gesellschaft nicht akzeptiert bzw. sich durch Kreativität oder individuelle Gegen- und Lebensentwürfe intellektuell wie emotional distanziert, muss letztendlich verbittern. Da man den Feind aber nicht besiegen kann, und im Grunde nicht einmal erahnt, wer dieser Feind ist – nämlich die eigene Beschränktheit/Unbeweglichkeit – stürzen sich schwache Menschen, die mit einer Menge anderer schwacher Menschen eine größere Schnittmenge bilden (Hautfarbe/Nationalität/Religion/sexuelle Orientierung/Fußballverein), gern auf jene Menschen, die durch die Größe ihrer vermeintlichen Gruppenzugehörigkeit zu den Schwächeren gehören (Ausländer/fremde Religion/Menschen mit abnormer Sexualpräferenz). DAS nenne ich Faschismus! Aber ich hoffe, dass das Phänomen Pegida am Ende des Jahres nur eines von vielen Kapiteln im großen ZDF-Jahresrückblick ist. Sobald im Berliner Zoo eine Eisbärin ein Junges wirft, Deutschland Papst oder Weltmeister wird, beruhigen sich wieder die schlichten Gemüter. Was gut läuft: die Entvölkerung und somit Verwilderung ganzer Landstriche, die allmählich fortschreitende Akzeptanz von Drogen, die Alkoholauswahl in Bars und die mitunter umwerfende Qualität amerikanischer Serien.

Michael Schmidt: Für wann ist Superbastard #7 geplant und welches Thema beackert ihr dieses Mal?

Benedikt Maria Kramer: Also, ich denke nicht, dass ich das noch lange mache. Es ist sowieso schon schwer genug, das Geld für den Druck wieder reinzukriegen. Wenn dann aber Leute bestellen und, wie im Moment, nicht zahlen, kann ich den Laden dicht machen.
Mal sehen, wahrscheinlich geht es Mitte des Jahres wieder weiter. Letztendlich bin ich Idealist.

Michael Schmidt: Ein Wort an die Leute dort draußen!

Benedikt Maria Kramer: Danke, dass Sie eingeschaltet haben.

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