Mittwoch, 6. August 2014

Vincent Voss (Interview)

Michael Schmidt: Hallo Vincent! Was ist denn Girl in the well!

Vincent Voss: Girl in the well! ist die englische Fassung von Ich bin böse!, meinem Kurzroman in der HORROR FACTORY.
Michael Schmidt: Hast du das selbst übersetzt?

Vincent Voss: Nein, nein, das wird im Hause Lübbe übersetzt.
Michael Schmidt: Wie kam es denn überhaupt zu der Reihe Psycho Thrill und wo erscheint diese?



Vincent Voss: Also ehrlich gesagt, so viel kann ich darüber gar nicht berichten. Ich wurde von Frau Herber, der internationalen Projektmanagerin bei Bastei Entertainment, informiert, dass Ich bin böse! übersetzt werden wird und in der Reihe Psycho Thrill an den Start geht. Diese Reihe soll rechtzeitig vor Halloween kommen. Und wie es zu der Reihe kam, weiß ich nicht, du kannst mir glauben, ich bin froh, dass sie kommt! 
Michael Schmidt: Okay, fangen wir vorne an. „Ich bin böse“ erschien in der Horror Factory. Ist ja schon eine Weile her. Bist du zufrieden? Bevölkern die weiblichen Groupies jetzt die norddeutsche Tiefebene und sorgen für bleibende Unruhe im Familienleben des Vincent Voss?

Vincent Voss: Nein, weibliche Groupies gab´s ja schon vorher. So ist das einfach als Horror-Autor. ;) Ich habe eher das Gefühl, dass es immer mehr Fliegen werden… Aber ansonsten bin ich zufrieden mit der Geschichte. Ich habe sie jetzt auch schon mehrmals vorgetragen, und sie funktioniert auch laut gelesen sehr gut.
Michael Schmidt: Worum geht es in der Geschichte eigentlich?

Vincent Voss: Es ist eine Exorzismus-Geschichte, die bei mir um die Ecke spielt. Eine Familie kauft sich einen leerstehenden Resthof, verliebt sich in diesen, doch dann beginnt es zu spuken. Die Kinder bemerken es zuerst, aber… So, und Schluss! Vielleicht will das ja noch jemand lesen.
Michael Schmidt: Einmal ist keinmal. Wann kommt die nächste Horror Factory?

Vincent Voss: Ich hoffe, bald!

Michael Schmidt: Du bist sehr produktiv. Faulfleisch, 172,3, Tötet John Bender und Ich bin böse! Heißen die vier Romane, die bisher erschiene sind. Welcher ist dein persönlicher Favorit und warum?
Vincent Voss: Puh, schwer zu sagen. Ich bin böse! funktioniert sehr gut und wurde von Uwe Voehl verdammt gut überarbeitet. Das merke ich deutlich.

An Faulfleisch arbeite ich derzeit sehr intensiv, weil wir es als Performancegruppe „Hackepeter“ auf die Bühne bringen wollen und das macht richtig Spaß. Erstens hat meine Lektorin die Textszenen genial zusammengestellt, zweitens hatte ich Gänsehaut, als Maschine Nitrox den Gerichtsmediziner gelesen hat, drittens ist der Soundmaster Kojote einfach wahnsinnig, viertens haben wir noch nicht mal komplett geprobt, es wird also noch besser und fünftens wird es einen Trailer dazu von Holger Bopp und seinem Team geben, auf den ich mich schon sehr, sehr freue. Da denke ich, wie geil ist das denn, dass du immer noch was von dem leckeren Faulfleisch hast…

Michael Schmidt: Deutschsprachiger Horror, wo gehst du hin war mal eine Frage, die auch von dir losgetreten wurde. Jetzt, Romane und Übersetzungen weiter, wie würdest du die aktuelle Situation beschreiben? Was hat sich die letzten drei bis vier Jahre geändert bzw. was hat sich nicht geändert?
Vincent Voss: Ich denke, es ist immer noch schwer, aber es bessert sich aus meiner Sicht.  HORROR, darf man langsam als Wort wieder in den Mund nehmen, aber englischsprachige Autoren scheinen nach wie vor eine größere Akzeptanz zu haben, auch bei Kleinstverlagen, die mal mehrheitlich deutschsprachig verlegt haben, wandelt es sich stark, den Torsten-Low-Verlag als älteren Verlag mal ausgenommen, der ist sich treu geblieben. Und das liegt wahrscheinlich daran, dass es kurzfristig lukrativer ist, Rechte aufzukaufen und Werke übersetzen zu lassen. Andererseits werden wir Horror-Autoren allesamt immer besser, da kommt noch was, aber es dauert halt länger.
Michael Schmidt: Ein Tipp an die Heerscharen aufstrebender Horrorautoren!

Vincent Voss: Weitermachen und nicht beirren lassen.

Michael Schmidt: Buch oder E-Book? Was favorisierst du?
Vincent Voss: Ich favorisiere das Buch, habe aber keinen Platz mehr und nutze mehr und mehr den Reader. Aber… da gebe ich nicht 23,99€ für ein E-Book aus, wenn das HC 24,99€ kostet. Da lese ich dann ganz, ganz viele Werke aus Verlagen, die das anders angehen. Nichtsdestotrotz stelle ich fest, dass es um Längen gruseliger ist, in völliger Dunkelheit auf dem Reader zu lesen.

Michael Schmidt: In Zwielicht IV erzählst du von Rotkäppchen und Dr. Wolf. Wie kommt man auf die Idee eine versaute Rotkäppchen Geschichte zu schreiben und wie viel Spaß hat dir die Geschichte gemacht?
Vincent Voss: Ich finde sie nicht so versaut. Ich habe, das ist kein Witz, ein wenig nach der Mythenanalyse Lévi-Strauss` gearbeitet, der in seiner Strukturanalyse zu Märchen diametrale, anthropologische Paare herausgearbeitet hat. Daran habe ich mich erinnert, als die Maden bei Rotkäppchen… egal. Kurzum:  Kotzen und Gebären stehen in einem Zusammenhang.

Es hat sehr viel Spaß gemacht, diese Geschichte zu schreiben, aber ich bin da auch ein wenig an einer eigenen Grenze entlang gewandert. Aber das macht es ja eben auch aus.

Michael Schmidt: Du warst des Öfteren für den Vincent Preis nominiert. Mit Eine kurze Geschichte über den Tod und den Untod hast du dann endlich gewonnen in der Kategorie Beste Kurzgeschichte. Was hat die Geschichte was andere nicht haben und was bedeutet dir diese Auszeichnung?

Vincent Voss: Also ich kann nur sagen, was die Geschichte hat und nicht, was andere nicht haben. Eine kurze Geschichte über den Tod und den Untod atmet verdammt viel Verzweiflung und dennoch auch Hoffnung, denn die Ausgangssituation der Protagonistin ist ja eigentlich eine positive. Ja, verdammt, in ihr steckt eine Menge Gefühl und davon kann es für mich aktuell nicht zu viel geben. Was mir die Auszeichnung bedeutet? Sehr, sehr viel, denn für mich ist der Vincent-Preis der Horror-Preis für den deutschsprachigen Raum. Und wenn ich mal berühmt sein sollte und schon eine Burg, ein Auto, eine Insel und ein Pferd von meinen Tantiemen gekauft habe, dann werde ich den Vincent-Preis auch finanziell unterstützen.

Michael Schmidt: Ich habe festgestellt, du warst produktiv. Bleibst du auch produktiv und was erscheint demnächst bzw. ist in Planung?

Vincent Voss: Also ich habe mir angewöhnt, nur noch das anzukündigen, wo es einen fertigen Vertrag zu gibt.  Es kommen bald eine Reihe völlig unterschiedlicher Kurzgeschichten auf die ich mich schon alle sehr freue. Und dann kommt Anfang 2015 „Wasser“ im Torsten-Low-Verlag und auf diesen Roman… Mannomann, ich kann es selbst kaum noch erwarten!

Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Leute dort draußen?

Vincent Voss: ENDE

 


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