A Night At The Opera - Konzeptalben, Rockopern und moderne Musicals


In Phase X 7 erschien mein Artikel Rock Opern, den ich den Lesern dieses Blogs hiermit zur Verfügung stelle.

A Night At The Opera - Konzeptalben, Rockopern und moderne Musicals

Prolog

Eine Ausgabe »Phantastisches für die Ohren«, da darf natürlich ein Ausflug in die Musikwelt nicht fehlen. Und die Auswahl ist beachtlich. Konzeptalben von den Beatles, Jethro Thull, Kraftwerk, ELO, King Diamond und tausend anderer Bands, eine schier unübersichtliche Vielfalt quer durch alle Genres, immer mit mehr oder minder phantastischen Inhalts.
Neben den Konzeptalben gibt es auch die Musicals wie »West Side Story oder »My Fair Lady, die im Laufe der Jahre immer progressiver wurden und den Zeitgeist widerspiegelten: »Hair«‚ »The Rocky Horror Picture Show«, »Tommy« oder »The Wall«.
Und wie man sieht, war die Kreuzung von Konzeptalbum und Musical geschafft: Die moderne Rock Oper entstand.
Aber auch diese entwickelt sich weiter und endet vorläufig in den kommerziell sehr erfolgreichen Huldigungen zweier großer Bands der Popgeschichte: ABBA und Queens »We Will Rock You«.
Aber betrachten wir die einzelnen Facetten der Rock Oper und erleben eine faszinierende Reise durch Raum und Zeit.


Genesis – The Lamb lies down on Broadway

Die englische Gruppe Genesis begann ihre eigentliche Karriere - auch Peter Gabriel Ära genannt - als Progressiv-Rock Band. In der Besetzung Gabriel, Rutherford, Banks, Hackett und Collins wurde der Grundstein für eine steile Karriere gelegt, die in den Achtzigern und Neunzigern dann auch kommerziell überaus erfolgreich war, allerdings mit Phil Collins als Sänger. Gabriel selbst bestreitet seit 1975 seine Solokarriere.
»Tresspass« (1970), das erste Album dieser Besetzung mit dem Song »The Knife« oder die Scheibe »Nursery Crime« (1971), welches den Song »Musical Box« enthielt, ein erstes kleines Theaterstück, zeigte die Besonderheit der Gruppe. Sie erzählte mit ihrer Musik eine Geschichte.
»Foxtrott« (1972) bot dann den genialen Song »Supper Ready«, der für sich alleine schon eine Rock Oper ist. 24 Minuten lang, mit wechselnden Passagen und einer intensiven Bühnenshow Peter Gabriels, der für die visuelle Umsetzung der Musik sorgte, deren surreale Texte damit eine adäquate Umsetzung fanden. Genesis bot somit ein Rock Theatre, folgerichtig hieß so auch eine Sammlung aus dieser Periode.
1974 erlebte Genesis ihren vorläufigen Höhepunkt. Das Konzeptalbum »The Lamb lies down on Broadway« handelt von der fantastischen und surrealen Reise des puertoricanischen Punks Rael in New York, der in einem Paralleluniversum seinen Bruder John retten muss. Das Album selbst besteht aus Rocknummern wie »In the Cage«, Balladen wie »Carpet Crawlers« und ungewöhnlicher Stücke wie »The Grand Parade of Lifeless Packaging«.
Leider war es das letzte Album mit Sänger Peter Gabriel und der Stil sollte sich immer weiter von dem orchestralen, theatralischen und progressiven Touch dieser Jahre entfernen und in kommerzielle Popgefilde abdriften, spätestens, nachdem auch Gittarist Steve Hackett seinen Abschied vollzog.
Leider gibt es nur diverse Livemitschnitte eher bescheidener Qualität aus dieser Zeit. Trotzdem sollte ein Blick auf youtube einen kleinen Einblick auf eine faszinierende Schaffensperiode einer der größten Rockbands geben.
Zu einer Rockoper haben es Genesis leider nie geschafft. Aber vielleicht erbarmt sich ja in Zukunft jemand und setzt die vorhandenen Lieder in ein Rock Theatre um. Das Potential ist auf jeden Fall vorhanden.

The Rocky Horror Picture Show

»The Rocky Horror Picture Show« startete als Musical, ehe die Geschichte durch ihre Verfilmung unsterblich wurde. »The Rocky Horror Picture Show« ist ein Crossover zwischen Musik, SF, Horror; Parodie und der sexuellen Revolution der 68er, gespickt mit zahlreichen Anspielungen auf »Dracula«, »Frankenstein« und den Pulps der Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts.
Sollte sich jemand eine Vorführung des Films oder des Musicals ansehen: Bitte nicht wundern, wenn zwischendurch Reis, Toast oder Spielkarten geworfen werden. »The Rocky Horror Picture Show« wird von der treuen Fangemeinde nicht nur konsumiert, sondern mit gelebt und mit gespielt und ist somit ein ganz besonderes Erlebnis.
Brad Majors und seine Verlobte Janet Weiss (Susan Sarandon), zwei gewöhnliche Spießer, landen während einer sturmumtosten Regennacht in einem unheimlichen Schloss. Sie werden von dem unheimlichen Diener Riff Raff eingelassen, die ganze Szenerie erinnert an alte Frankensteinfilme in Schwarz-weiß. Unsere rechtschaffenen Bürger haben sich verfahren und das kann man auch sinnbildlich sehen. Riff Raff und das Dienstmädchen Magenta führen sie durch das Schloss und plötzlich befinden sie sich mitten in einer exzessiven Party und treffen auf schrille Gestalten wie Columbia. Ihre Moral wird auf eine erste Probe gestellt, doch noch bleiben sie standhaft. Kaum wollen sie sich unauffällig aus dem Staub machen, tritt Dr. Frank´N`Furter auf den Plan.
Er kommt auf hochhackigen Schuhen hereinstolziert, gekleidet in Mieder und Strapse und bietet damit das genaue Gegenteil unseres spießigen Pärchens. Schon hier zeigen die zwei – vor allem Janet - eine fast magische Faszination auf die außergewöhnlichen Eindrücke, die sie erhalten. Die Saat der Sünde ist gelegt.
Dr. Frank´N`Furter führt sie in sein Labor und erschafft das Wesen Rocky. Die Partygäste sind fast außer sich und die Party erlebt einen ersten Höhepunkt. Doch dann erscheint Rockys Vorgänger in Form von Eddie (Meat Loaf), Magentas Liebling. Dr. Frank´N`Furter vernichtet sein letzt jähriges Geschöpf und zeigt damit zum ersten Mal sein wahres Gesicht.
In der Folgezeit stellt Dr. Frank´N`Furter Brad und Janet auf die Probe und wie vorauszusehen war, verfallen sie der dunklen Seite in Form sexueller Verführung. Transylvania ist wörtlich zunehmen. Die Außerirdischen, um nichts anderes handelt es sich bei der Partygesellschaft, sind transsexuell. Sowohl Janet als auch Brad erliegen den Verführungskünsten Dr. Frank´N`Furters. Die sexuelle Revolution hat über den bürgerlichen Mief gesiegt. Doch Furter freut sich zu früh. Das böse Ende kommt noch.
Die Musik von » The Rocky Horror Picture Show « orientiert sich noch stark an der Musical Kultur (»Touch-a, Touch-a, Touch-a, Touch Me«), hat aber schon deutliche Einflüsse von Rock (»The Time Warp«). Kult ist natürlich Meat Loafs Auftritt als Eddie (»Hot Patootie - Bless My Soul«).
Sensationell ist die Aufmachung der Außerirdischen aus Transylvania mit Strapsen und Miedern, ein illustre Theatergesellschaft, deren Stück die Transsexualität ist. Der Film spielt mit dem Gegensatz einer zügellosen Gesellschaft zum gewöhnlichen Spießertum. Ein Gegensatz, der heute noch besteht und zwei unversöhnliche Lager findet, die immer weiter auseinanderdriften. Die Spannungen zwischen der islamischen und der westlichen Welt untermauern dies leider eindrucksvoll.
Selbst heute noch gibt es Aufführungen des Musicals, die man nur wärmstens empfehlen kann. »The Rocky Horror Picture Show« ist auch ein Zeichen für den Einfluss einer treuen Fangemeinde. Nachdem der Film im Erscheinungsjahr 1975 zuerst floppte, sorgten die hartnäckigen Fans, die sich die Vorstellungen ein um das andere Mal ansahen, für einen erst mit der Zeit überwältigenden Erfolg. »The Rocky Horror Picture Show« wird auch heute noch aufgeführt, in München seit 1977 ohne Unterbrechung. Der Film übrigens ist komplett in Englisch und das sorgt für ein zusätzliches und besonderes Flair.

The Who – Tommy

»Tommy« ist neben dem kommerziell weniger erfolgreichen Film »Quadrophenia« das Opus, das man mit der britischen Rockgruppe »The Who« in Verbindung bringt. Das Doppelalbum erschien 1969 und fand 1975 seine filmische Umsetzung.
Für das Verständnis von »Tommy« ist wichtig, dass Pete Townshend ein Anhänger des indischen Mystikers Meher Baba war. Das Werk »Tommy« ist beeinflusst von dessen Lehren.
Dreh –und Angelpunkt ist der taube, stumme und blinde Junge Tommy, gespielt von Sänger Roger Daltrey. Der Vater im Krieg verschollen, kehrt zurück und wird von dem Geliebten der Mutter erschlagen (in der Ursprungsfassung 1969 war es genau umgekehrt). Fortan zieht sich Tommy in seine eigene, innere Welt zurück. Alle Versuche, ihn von dort zu befreien, entfernen ihn nur noch weiter von der realen Welt. Trotzdem wird er durch seine Leidenschaft des Flipperspielens berühmt. Er ist der berühmte »Pinball Wizard« mit Scharen von Fans, die ihn anhimmeln und ihn zum Zentrum eines Kultes machen. Als Tommy dann nach Jahren des Leidens und auf dem Höhepunkt seines Ruhmes von seiner Isolation befreit wird, verehren ihn seine Fans wie einen Messias. Doch Tommy erleidet das Schicksal jedes Heilands: Heute gefeiert, morgen verteufelt. Und so nimmt die Geschichte ein bitteres Ende.
Es gibt diverse Unterschiede zwischen der eigentlichen Geschichte des Albums und der späteren im Film gezeigten, die vor allem von der geänderten Reihenfolge der Lieder herrühren. Für den Film wurde das Album neu eingespielt, mit von der Partie waren Eric Clapton, Tina Turner und Elton John, die auch auf der Leinwand zu bewundern sind. Dazu kommt Jack Nicholson, der einen Arzt spielt und die Rockband »The Who« themself, die ebenfalls ihren Auftritt haben. Hauptdarsteller Roger Daltrey allerdings taumelt als Tommy manchmal recht unmotiviert durch das Bild und bietet leider kein Ausbund an Schauspielkunst.
Dagegen sind gerade die Szenen um Tina Turner (»Acid Queen«) und Elton John (»Pinball Wizard«) die Highlights des Films. Diverse Anspielungen auf Idolverehrung (eine große, an Marylin Monroe erinnernde Statue, der in einer Kirche gehuldigt wird) runden einen sehr intensiven Film ab, der einen Highlight der Rock Oper darstellt.
Allerdings folgt der Film diversen Zwängen, die leider eine Höchstnote verhindern. Die Story an sich steht an mancher Stelle doch auf sehr tönernen Füßen.
In überarbeiteter Form fand »Tommy« dann 1993 den Weg zum Broadway und sorgte auch dort für Furore.
Die Stärken von »Tommy« sind neben der Musik stimmungsvolle Bilder und zahlreiche Parodien auf die allgegenwärtige Pop- und Werbekultur. »Tommy« wäre ein geeigneter Kandidat für eine Neuverfilmung. Tommys Isolation und die Mauer, die er gegen seine Umwelt aufbaut, sind eine gelungene Überleitung zum nächsten Film.

Pink Floyd – The Wall

»The Wall« ist das weltberühmte Konzeptalbum der englischen Gruppe Pink Floyd. Neben »Dark Side of the Moon« ist es das kommerziell erfolgreichste Werk der Band. Das Stück »Another Brick in the Wall (Part 2)« wurde als Single und Musikvideo weltbekannt und gibt einen passenden Eindruck auf das, was den Zuschauer im Film erwartet.
»The Wall« erzählt die Geschichte von Pink (Bob Geldorf), einem umjubelten Rockstar, der auf Grund seiner Popularität alle Grenzen überschreitet und in einen Sumpf aus Sex, Drugs and Rock´N`Roll abgleitet.
Aber es sind die Erlebnisse aus der Vergangenheit, die ihn zu einem Wrack machen: Der Vater ist im Krieg gestorben. Das autoritäre Schulsystem hat den sensiblen Pink gebrochen und eine Mauer um ihn aufgebaut. Seine Agonie findet ihren Höhepunkt in einem Hotelzimmer, in dem Pink im Anschluss an ein Konzert einsam und vollgepumpt mit Drogen seine innere Hölle durchlebt.
Sein Lehrer aus der Schule malträtiert ihn, er findet sich als Junge in den Schützengräben des 2. Weltkriegs wieder oder durchlebt für ihn einschneidende Momente aus seiner Kindheit. Und immer wieder dreht sich die Welt um Frauen, Sex und Alkohol.
Zwischendurch wechselt der Film immer wieder vom Realfilm zur Zeichentricksequenz. Es erscheinen surreale Bilder von lebenden Toten, zerstörter Erde und der immer gegenwärtigen Mauer, die gen Horizont wächst. Am Ende sprengt Pink die Mauer und führt in seinen Träumen ein faschistisches Regime an. Die schlummernde Gewalt eines Unterdrückten, die deutliche Anleihen zum schwärzesten Kapitel deutscher Geschichte zeigt, aber auch Parallelen zu den Amokläufen der jüngsten Vergangenheit im In- und Ausland.
Während eines freudigeren Kapitels deutscher Geschichte fand eine imposante Aufführung von »The Wall« statt. Am 21.7.1990 fand auf dem Potsdamer Platz eine Show der Superlative statt, genau zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Schätzungsweise 300.000 Menschen – es wurden 120.000 Karten verkauft aber nachdem der Einlass geöffnet wurde, sollen noch 180.000 Zuschauer auf das Gelände geströmt sein - versammelten sich in Berlin und erlebten neben Cindy Lauper, den Scorpions und Brian Adams eine grandiose Aufführung von »The Wall« mit riesigen Bildschirmen, echten Helikoptern und vom Himmel regnenden Fallschirmen.
Ich war mittendrin und erlebte meine persönliche Abwendung von der Gigatomie. Der Sound war stellenweise mies, die Bühne nur zur erahnen und die schiere Masse an Leuten fast schon furchteinflößend. Ein Erlebnis war es aber allemal.
Der Film »The Wall« ist aufpeitschend, ergreifend, brutal und verstörend. Eine Mischung aus Horror, Alternativweltgeschichte und Inner Space. Erschreckend sind die inneren Abgründe, die sich beispielhaft an der Person Pink finden, die aber in jedem von uns stecken könnten. Oder in jedem unserer Nachbarn. »The Wall« ist ein wahrhaft besonderes Erlebnis, das einen so schnell nicht wieder loslässt.
Ich gebe offen zu, die Musik alleine rührt bei mir nichts. Doch in Verbindung mit der visuellen Gewalt wirklich mitreißender Bilder und einer stimmigen Geschichte ist »The Wall« ein Kunstwerk, das seinesgleichen sucht.
Unbedingt ansehen!

We Will Rock You

Die britische Band Queen ist logischer Protagonist unseres Artikels. John Deacon, Brian May, Freddy Mercury und Roger Taylor gründeten 1971 die Rockgruppe Queen. die bis zum Tod des Sängers Freddy in dieser Besetzung bestehen blieb und weltweit für Furore sorgte. Queen waren eine sehr abwechslungsreiche Band, stilistisch zwischen Hardrock und Pop angesiedelt, und bestachen neben dem guten Songwriting vor allem durch ihre Vielfalt. Eine Band, die nie stehen blieb, sondern sich immer weiterentwickelte, ohne jedoch ihre Wurzeln aus den Augen zu verlieren.
Schon das erste Album »Queen« bietet neben Rocknummern wie »Keep Yourself Alive« auch orchestralen Sound z.B. in »My Fairy King«. »Queen II« bietet 1974 dann ein Konzeptalbum. Der Auftakt mit dem eher bedächtigen »Father To Son«, steigert sich die Spannung bis zu »Ogre Battle« (ein Song, der auch den Weg ins Queen Musical fand) und findet dann furiose Wechsel mit dem aufwühlenden »The Fairy Feller’s Master-Stroke«, dem Zwischenspiel »Nevermore« bevor es über das treibende »The March of the Black Queen« in den Schlussakkord »Funny How Love Is« mündet. Rasche Wechsel zwischen schnellen und langsamen Stücken, die orchestrale Gitarre und der vielstimmige Hintergrundgesang von May, Mercury und Taylor, der spätestens seit »Bohemian Rapsody« weltberühmt ist, schreien förmlich nach einer Bilderflut, die die Phantasie förmlich jagen lässt. Das Album ist sehr ungewöhnlich und bietet nicht unbedingt das, was man später mit dem Begriff Queen verbindet.
Nachdem »Sheer Heart Attack« fast schon ein Heavy Metal Album ist, kommen mit »A Day At The Races« und vor allem »A Night At The Opera« wieder Alben heraus, die das Zeug zum Musical hätten. Gerade »A Night At The Opera« mit Liedern wie »Death On Two Legs«, »Prophets Song« oder das weltberühmte »Bohemian Rapsody« knüpfen an die Tradition von »Queen II« an. In der weiteren Bandgeschichte bleibt die Musik abwechslungsreich und bietet viele Welthits. Allerdings gibt es statt eines Musicals Soundtracks wie »Flash Gordon« oder »A Kind Of Magic«, bei letzterem Album versammeln sich die Songs aus dem Blockbuster »Highlander«. Besondere Erwähnung sollte auch »Radio Gaga« aus dem Album »The Works« finden. Das Video könnte als Lehrbeispiel für eine Rockoper herhalten und nutzt die Kulisse aus »Metropolis« von Fritz Lang.
Die Queen Rock Oper konnte dann Sänger Freddie Mercury leider nicht mehr erleben. AIDS war sein Schicksal, doch mit seiner Präsenz und seinen Songs wird er für seine Fans immer unsterblich bleiben.
Das Queen Musical »We Will Rock You« wurde 2002 uraufgeführt. In einer fernen Zukunft auf dem Planeten e.bay, der von der Firma Globalsoft unter der Leitung der Killer Queen diktatorisch regiert wird, ist ehrliche handgemachte Musik verboten und schon fast in Vergessenheit geraten. Stattdessen wird der gleichgeschalteten Gesellschaft monotone, computererzeugte GaGa-Musik diktiert. Wer Parallelen zur momentanen Superstarwelle sieht, sollte sich nicht wundern. Rebellierende Jugendliche namens Bohemians sehnen sich nach Freiheit und Individualität. Die Suche nach dem heiligen Artefakt – Brian Mays Gitarre – wird zu einem Wettlauf gegen das Establishment.
Der Grundgedanke des Musicals ist klasse und hochaktuelle. Leider verzettelt sich die Aufführung, die ich in Köln zu sehen bekam, in manch plattem Witz z. B. über Dieter Bohlen und Daniel Kübelböck, die anfangs noch lustig waren, mit der Zeit aber eher nervten. Dazu kommt die doch der Best Of Playliste angepasste Geschichte, in der die Storyline den Liedern folgt und nicht umgekehrt und somit manches eher konstruiert als zwingend logisch erscheint. Insgesamt war der Besuch in Köln lohnenswert, aber für eine Wiederholung reicht es nicht. Mithalten mit »The Rocky Horror Picture Show« oder dem »Starlight Express« aus Bochum kann »We Will Rock You« nicht. Das Musical lebt zu sehr von der Qualität der Queen Songs. Es bleibt zu hoffen, dass das Potential, das auf jeden Fall vorhanden ist, durch eine Überarbeitung der Geschichte mehr Geltung findet.
Der Grundgedanke hätte dies mehr als verdient.

Epilog

Die Reise ist zu Ende. Natürlich sind alle Stationen in diesem Artikel willkürlich gewählt und spiegeln den Geschmack des Verfassers wieder. Trotzdem kommt man nicht umhin, diese Werke als Meilensteine der Rockgeschichte anzusehen, wie Verkaufszahlen, aber auch Verfilmungen und Musicalaufführungen aufzeigen.
Natürlich ist eine solche Reise immer unvollständig. Doch vielleicht schaut der geneigte Leser in seinen persönlichen Plattenschrank oder kramt in seinen Erinnerungen, die vielleicht auch durch diesen Artikel wieder lebendig werden und erlebt seine eigene Reise durch Raum und Zeit, mit all den Sinnen, die Bilder in Kombination von Musik hervorrufen.
Mir hat die Reise auf jeden Fall Spaß gemacht und natürlich besteht die persönliche Hoffnung, dass »ABBA – der Film« nicht den Schlusspunkt für das Crossover Musik und Film resp. Musical bildet.
Auf das uns noch heiße Stunden mit tollen Liedern und innovativen Bildern bevorstehen.

Hier die Playlist der einzelnen Rock Opern:
Genesis – The Lamb lies down on Broadway

The Lamb lies down on Broadway
Fly on a Windshield
Broadway Melody of 1974
Cuckoo Cocoon
In the Cage
The Grand Parade of Lifeless Packaging
Back in N.Y.C.
Hairless Heart
Counting out Time
The Carpet Crawlers
The Chamber of 32 Doors
Lilywhite Lilith
The Waiting Room
Anyway
Here Comes the Supernatural Anaesthetist
The Lamia
Silent Sorrow in Empty Boats
The Colony of Slippermen (The Arrival/A Visit to the Doktor/Raven)
Ravine
The Light dies down on Broadway
Riding the Scree
In the Rapids
It.

The Rocky Horror Picture Show

Science Fiction/Double Feature
Dammit, Janet!
Over at the Frankenstein Place
Sweet Transvestite
The Time Warp
The Sword of Damocles
I Can Make You a Man
Hot Patootie - Bless My Soul
I Can Make You a Man (Reprise)
Touch-a, Touch-a, Touch-a, Touch Me
Once in a While
Eddie
Planet Schmanet Janet
Don't Dream It, Be It
Wild and Untamed Thing
I'm Going Home
Superheroes
Science Fiction/Double Feature (Reprise)

The Who – Tommy

Overture
It’s A Boy
1921
Amazing Journey
Sparks
Eyesight to the Blind
Christmas
Cousin Kevin
The Acid Queen
Underture
Do You Think It’s Alright?
Fiddle About
Pinball Wizard
There’s a Doctor
Go to the Mirror!
Tommy Can You Hear Me?
Smash the Mirror
Sensation
Miracle Cure
Sally Simpson
I’m Free
Welcome
Tommy’s Holiday Camp
We’re Not Gonna Take It

Pink Floyd – The Wall

In the Flesh?
The Thin Ice
The Happiest Days of our Lives
Mother
Goodbye Blue Sky
Empty Spaces
Young Lust
One of My Turns
Don't Leave Me Now
Goodbye Cruel World
Hey You
Is There Anybody Out There?
Nobody Home
Vera
Bring the Boys Back Home
The Show Must Go On
In the Flesh
Run Like Hell
Waiting for the Worms
Stop
The Trial
Outside the Wall

Queen – We Will Rock You

Innuendo
Radio Ga Ga
I Want to Break Free
Somebody to Love
Killer Queen
Play the Game
Death on Two Legs
Under Pressure
A Kind of Magic
I Want It All
Headlong
No-One but You (Only the Good Die Young)
Crazy Little Thing Called Love
Ogre Battle
One Vision
Who Wants to Live Forever
Flash
Don’t Stop Me Now
Another One Bites the Dust
Hammer to Fall
These Are the Days of Our Lives
Bicycle Race
Headlong (Reprise)
Brighton Rock
Tie Your Mother Down
We Will Rock You
We Are the Champions
We Will Rock You (Fast Version)
Bohemian Rhapsody


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Zwielicht – Das deutsche Horrormagazin

Meine Silbermond Geschichten

Zwielicht Classic - Geschichten gesucht!