Donnerstag, 29. Dezember 2011

Mammuts Kolumne – virtuell


Egal ob der Film Matrix oder die Matrix in Shadowrun. Otherland von Tad Williams ist ein weiteres berühmtes Beispiel. Bei Perry Rhodan war es Simunse.
Die virtuelle Realität.
Als Vorbild dient das Internet, das World Wide Web. Doch wie virtuell, wie unwirklich ist das neue Medium wirklich?
Als ein Freund von mir vor einiger Zeit in Australien reiste und mir eine E-mail schrieb, richtete ich seine Grüße im Bekanntenkreis aus. Die Aufregung war groß. Jeder hatte wie selbstverständlich das WWW hingenommen, als dann aber in Nullzeit die Nachricht aus Australien ankam, sah man die engstirnige Realität. Erfahrene Internetsurfer und Vielmailer gewahrten erst jetzt der Wirklichkeit. Entfernungen sind relativ und im Internet nicht vorhanden.

Das Internet nimmt Gestalt an. Anonym sei es, die Nutzer geschlechts- und konturlos.
Aber wer weiß, welche Daten Service-Provider und Internetanbieter von dir speichern. Wer weiß, welche Daten sie durch den Besuch einer Seite bekommen, wie weit sie dich verfolgen können. Es soll böse Menschen geben, die deine Festplatte durchsuchen, schlimmstenfalls den kompletten Inhalt löschen.
Fakt ist, je öfter und länger du im elektronischen Briefverkehr verweilst, desto mehr Werbung füllt dein Briefkasten. Heiße Kameras, Penisverlängerungen, Leute, die du im Chat verloren hast, oder Geschäftsführer, die dich dezent auf eine hinterlassene Nachricht hinweisen: Es gibt scheinbar nichts, was es nicht gibt, mit Ausnahme seriöser Angebote.
Auch in den diversen Foren geht es sehr anheimlich zu. Du nimmst dir einen beliebigen Nicknamen ( „Spitze Sau“ oder „Schröders Gewissen“ ) und legst los. Du provozierst, beleidigst, beschimpfst, lobst, schwindelst, flirtest...und wenn es zu heiß wird, verschwindest du. Keiner weiß, wer oder was du bist. Geliebte Anonymität.
Doch dann triffst du auf ein Forum, wo du länger verweilst. Du meldest dich an, diskutierst ernsthaft, streitest mit ehrlicher Absicht und verkennst: Es ist schon lange nicht mehr anonym, denn was du Preis gibst, ist persönlicher als deine reale Postadresse und dein Name. Es ist ein Teil deiner Selbst, deiner Seele, deines Wesens.
Doch du verharrst weiter in dem Unglauben, dich in einem anonymen Medium zu bewegen. Wie dumm du doch bist.
Italienische Forscher haben andere Erkenntnisse. Sie sehen einen Ansatz an Realitätsverlust im wirklichen Leben. Vermehrt verlieren Kinder den Kontakt zur Realität und erleben den Cyberspace als eigene Wirklichkeit.
Vielleicht wird ja das reale Leben immer anonymer, wie man es seit geraumer Zeit in Großstädten beobachten kann. Und die engsten zwischenmenschlichen Kontakte knüpft man dann in der real gewordenen virtuellen Welt. Wirklichkeit ist subjektiv.
Dann hätten viele SF-Autoren Recht behalten. Doch wie immer wird es anders kommen.
Man hat den Fußball totgesagt. Man hat die Ehe totgesagt. Man hat das Buch ( in Papierform ) totgesagt. Doch all dies ist wieder im Trend, das ebook sogar vernachlässigbar.
Wie zu jeder Aktion gibt es eine Reaktion. Und es bleibt der Mensch. Mit einem Bedürfnis an Körperlichkeit. Und wen befriedigt schon wirklich der virtuelle Sex?
Oder können Nullen und Einsen jemanden zärtlich streicheln und in den Arm nehmen?

Diese Kolumne ist Orginal in SONO : virtuell erschienen.
Wenn dich die Kolumne neugierig gemacht hat, dann kannst du dort mehr Lesen:http://www.avalon-projekt.com/index.php?id=258
Inhalt:
"SONO" versteht sich als ein kostenloses Crossover-Fanzine, das für die unterschiedlichen Bereiche aus Phantasie, Horror, Science-Fiction und Fan-Fiction als Knotenpunkt dient.
Das Thema der Ausgabe 2 ist "Virtuelle Welten". Begleiten Sie uns dazu auf einer kleinen Reise quer durch die virtuellen Welten und lassen sich zeigen, was anhand gedanklicher Spielereien der Autoren möglich sein könnte. Begeben Sie sich mit uns kurz in den Cyberpunk, seien Sie einmal ein Runner und verbinden Sie sich emotional mit Ihrem Computer, um sich von ihm und der Hilfe von H.W. Mommers oder Tad Williams zeigen zu lassen ...was wäre wenn.

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